PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers PROKLA 189/2: Autoritärer Populismus

admin am 1. März 2017

Call for Papers PROKLA 189
Autoritärer Populismus
Heft 4, Dezember 2017

Die politischen Entwicklungen in den vergangenen zwei Jahren haben sich überschlagen, die große und multiple Krise der finanzmarktdominierten Gesellschaftsformationen reproduziert sich auf höherer Stufenleiter. Zu den vielen Krisen kamen neue hinzu: die Krise des Kontrollregimes der europäischen Grenzen und der fortgesetzten staatlichen Maßnahmen, die Kontrolle über Flucht und Migration zurückzugewinnen, die Krise der EU durch den Brexit im Sommer 2016 und die darauf folgenden Spannungen in Großbritannien sowie zwischen diesem Land und der EU. In den USA hat Donald Trump das Amt des Präsidenten angetreten, verfolgt eine protektionistische Politik, will illegalisierte MigrantInnen in großem Maßstab abschieben und intensiviert die Förderung fossiler Energie. Eine neue Aufrüstungswelle auch mit Nuklearwaffen wird in Aussicht gestellt, die Gefahr eines Krieges zwischen den Großmächten einschließlich China wächst. Innenpolitisch sind wir in einer Reihe von Ländern mit einer Fortschreibung von Notstandspolitiken, dem weiteren Ausbau der Sicherheitsapparate und ihre Vernetzung sowie dem Abbau von bürgerschaftlichen und demokratischen Rechten konfrontiert. Neue Formen der Ausnahmestaatlichkeit zeichnen sich ab.

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Call for Papers PROKLA 189/1: Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen

admin am 1. März 2017

Call for Papers PROKLA 189
Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen
Heft 4, Dezember 2017

Seit Anfang der 2000er Jahre kommt es zu einer neuen Welle von Einhegungen von Land und Natur Ursachen hierfür sind die Vielfachkrise des Kapitalismus, die Ausweitung imperialer Lebensweisen im Globalen Norden und Süden und die hiermit verbundene stark gestiegene Nachfrage nach Agrarprodukten, bergbaulichen Rohstoffen (Mineralien, Metalle, seltene Erden, Erze) und fossilen und erneuerbaren Energieträgern (Öl, Gas, Kohle, Biomasse, pflanzliche Rohstoffe). Darüber hinaus sorgen Hedgefonds und andere Finanzmarktinstrumente für eine Erschließung von Natur als neue und sichere Anlagefelder für überakkumuliertes Kapital. Dies geht mit zunehmend negativen ökologischen und sozialen Folgen, wie Wasserverschmutzung, Bodenerosion oder Vertreibung, einher. Weltweit verlieren Menschen ihr Land zu Gunsten kommerzieller großflächiger Agrarproduktion sowie von Bergbau-, Klimaschutz- und Infrastrukturprojekten.

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Call for Papers PROKLA 188: 150 Jahre Das Kapital von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie heute

admin am 21. Februar 2017

Call for Papers PROKLA 188
150 Jahre Das Kapital von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie heute
(Heft 3, September 2017)

Vor bald 150 Jahren, im September 1867, erschien erstmals Das Kapital von Karl Marx. Auch wenn die Resonanz zunächst verhalten war und sein Freund Friedrich Engels mit ein paar Rezensionen unter falschem Namen nachhelfen musste, so wurde es doch zu einer der einflussreichsten ökonomiekritischen Schriften – nicht nur der unmittelbaren Rezeption, sondern auch der Ausstrahlung in nahezu alle gesellschaftswissenschaftliche Disziplinen.

Nach 150 Jahren ist Das Kapital noch immer eine Herausforderung. Erst seit wenigen Jahren sind alle Manuskripte, die dem Kapital zugrunde liegen, in der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2) zugänglich. Die Manuskripte zum dritten Band des Kapital erschienen erstmals 1992. Die Bedingungen für eine textkritische Lektüre sind heute besser als je zuvor. Gleichzeitig ist man mit einer Vielzahl an Interpretationen konfrontiert, die eine „unschuldige Lektüre“ (Althusser) des Kapital gar nicht möglich machen. Jede Lektüre ist durch Traditionen vorgeprägt, deren Linien kaum mehr sichtbar oder gar bekannt sind.

Für gesellschaftskritische Sozialwissenschaften ist Marx‘ Kritik zentraler Bezugspunkt. Es jährt sich nicht nur Das Kapital, sondern 2018 ist zudem der 200. Geburtstag des Autors, Karl Marx. Die Jubiläen werden in der bürgerlichen Öffentlichkeit begangen werden. Bereits jetzt kündigt sich eine unübersehbare Anzahl an Beiträgen unterschiedlichster Couleur an. Es ist deshalb für eine radikale Gesellschaftskritik um so wichtiger, sich das kritische Potenzial der marxschen Theorie zu vergegenwärtigen und sie zu aktualisieren, selbstkritisch Gewissheiten und zweifelhafte Traditionslinien zu überprüfen und zu hinterfragen.

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Editorial PROKLA 185

admin am 13. Dezember 2016

Download summaries (engl.) & AutorInnen

Titel 2016-04Editorial: Ausnahmezustand: Barbarei oder Sozialismus? (Dezember 2016)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Ausnahmezustand: Barbarei oder Sozialismus? (Dezember 2016)
PROKLA-Redaktion: Der globale Kapitalismus im Ausnahmezustand
Ingo Schmidt: Kapitalistische Krisen mit und ohne systemischer Herausforderung. Ein Vergleich der Stagnationsperioden der 1930er Jahre und der Gegenwart
Lukas Oberndorfer: Europa und Frankreich im Ausnahmezustand? Die autoritäre Durchsetzung des Wettbewerbs
Franziska Schutzbach: Der Heidi-Komplex. Gender, Feminismus und der Ekel vor der „Gleichmacherei“
Jason W. Moore: Über die Ursprünge unserer ökologischen Krise
Christian Siefkes: Produktivkraft als Versprechen. Notwendiger Niedergang des Kapitalismus oder möglicher Kommunismus ohne viel Arbeit?
Ausserhalb des Schwerpunkts
Ulf Kadritzke: Zur Mitte drängt sich alles (Teil 2): Die Gegenwart im Lichte historischer Klassenstudien

Die gegenwärtige Situation ist schwer zu fassen. Dieser „Ausnahmezustand“ bedarf selbst einer kritischen Analyse. Dabei ist mit „Ausnahmezustand“ nicht einfach eine Herrschaftspraxis jenseits rechtsstaatlicher Prinzipien gemeint, die es zunehmend auch gibt, sondern eine zeitdiagnostische Feststellung: die Welt scheint aus den Fugen. Diese Feststellung war der Ausgangspunkt und die Motivation des vorliegenden Heftes. Im PROKLA- Schwerpunkt „Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?“ sollten die Dynamiken und Zusammenhänge dieser nicht leicht einzuordnenden Ausnahmesituation genauer analysiert werden. Welche Entwicklungslinien zeichnen sich derzeit ab? Von welchen innergesellschaftlichen und internationalen Kräftekonstellationen werden sie getragen? Welche Widersprüche und Konflikte liegen ihnen zugrunde? Und stehen die vielen beunruhigenden Ereignisse, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, nicht vielmehr doch in einem (welt-)politischen Zusammenhang, den eine Analyse herausstellen müsste? – so lauteten die Leitfragen unseres ambitionierten Projekts, dem wir nur bedingt gerecht werden konnten. Vieles ist in der Schwebe und Entwicklungen kaum abzusehen. Zusammenhänge nicht nur zu behaupten, sondern auch aufzuzeigen und zu analysieren, bedarf nicht nur der Zeit, sondern auch der Sachkenntnisse von meist recht unterschiedlichen politischen Feldern, die sonst meist getrennt voneinander betrachtet und analysiert werden. Resultat ist, dass wir als Redaktion der PROKLA, neben den in diesem Heft versammelten Aufsätzen, nach vielen Jahren wieder einen gemeinsamen, längeren Text als Redaktionskollektiv verfasst haben. Ob wir der selbst gesteckten Aufgabe gerecht geworden sind, soll die kritische Leserschaft entscheiden. Weiterlesen im Editorial.

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Call for Papers PROKLA 1917:

admin am 4. November 2016

Call for Papers PROKLA
100 Jahre russische Revolution“ (2017)

Wie auch immer die russische Revolution, ihre Ursachen und Folgen beurteilt werden – Einigkeit besteht darin, dass es sich um ein weltgeschichtlich herausragendes, epochales Ereignis handelt. Auch 100 Jahre danach und mehr als 25 Jahre nach dem Untergang der So­wjetunion und des „real existierenden Sozialismus“ in Osteuropa ist die Auseinander-setzung mit der russischen Revolution nicht nur in geschichtspolitischer Hinsicht wichtig. Das Thema „100 Jahre russische Revolution“ umfasst nicht nur das historische Ereignis, sondern die ge­samte Geschichte des „kurzen“ 20. Jahrhunderts und das Verständnis von grund-legenden politischen Kategorien in diesem Kontext: Sozialismus, Kommunismus, Reform, Revolution, Transformation, Geschichte, Staat, Partei oder Demokratie. Die Redaktion der PROKLA plant über das Jahr 2017 verteilt die Veröffentlichung von Beiträgen zum Thema „100 Jahre russische Revolution“, das aus Sicht der Redaktion unter anderem folgende Gesichtspunkte umfasst:

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Editorial PROKLA 184

admin am 16. September 2016

Download summaries (engl.) & AutorInnen

Titel 2016-03Editorial: Energiekämpfe: Interessen, Kräfteverhältnisse und Perspektiven (September 2016)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Energiekämpfe: Interessen, Kräfteverhältnisse und Perspektiven (September 2016)
Markus Wissen: Zwischen Neo-Fossilismus und „grüner Ökonomie“. Entwicklungstendenzen des globalen Energieregimes
Tobias Haas: Die Energiewende unter dem Druck (skalarer). Kräfteverschiebungen. Eine Analyse des EEG 2.0
Achim Brunnengräber und Felix Syrovatka: Konfrontation, Kooperation oder Kooptation? Staat und Anti-Atom-Bewegung im Endlagersuchprozess
Hendrik Sander: Die Bewegung für Klimagerechtigkeit und Energiedemokratie in Deutschland. Eine historisch-materialistische Bewegungsanalyse
Kristina Dietz, Oliver Pye und Bettina Engels: Sozial-räumliche Dynamiken der Agrartreibstoffe. Transnationale Netzwerke, skalare Rekonfigurationen, umkämpfte Orte und Territorien
Einsprüche
Ulrich Schachtschneider: Jenseits des Bürgerinvestors: Energiewende needs Degrowth
David Döll: Die Strategie der convergence des luttes in Frankreich. Zur Bewegungsdynamik zwischen Demokratie- und Klassenfrage
Außerhalb des Schwerpunkts
Alex Demirović: Die Selbstreflexion des Marxismus. Fünfzig Jahre Negative Dialektik
Ulf Kadritzke: Zur Mitte drängt sich alles (Teil 1). Historische Klassenstudien im Lichte der Gegenwart

Das auf der Verbrennung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas beruhende Energiesystem befindet sich in einer Krise. Zwar dürften die fossilen Vorkommen noch eine Weile reichen – das gilt umso mehr, als sowohl beim Öl als auch beim Gas zunehmend auf unkonventionelle Ressourcen (Teersand, Schieferöl- und -gas) zurückgegriffen wird. Allerdings wird die Verbrennung von Öl und Kohle aus klima-, in Ländern wie China auch aus gesundheitspolitischen Gründen zunehmend kritisiert. Am Abbau und an der energetischen Nutzung der besonders klimaschädlichen Braunkohle entzündet sich derzeit in einigen Ländern eine Protestbewegung, die sich auf lokale Anti-Kohle-Initiativen ebenso wie auf zentrale Veranstaltungen in Gestalt von Protest-Camps oder direkte Interventionen an Tagebauen stützt. Erdgas ist zwar im Vergleich zu Öl und Kohle weniger umweltschädlich, jedoch wird die Gasversorgung in Europa von den jüngsten geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der EU bzw. der NATO überlagert. Außer durch Ressourcenkonflikte und die Überlastung der Senken – also jener Ökosysteme, die die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger absorbieren und damit eine wichtige klimatische Regulierungsfunktion ausüben – ist das fossilistische Energiesystem auch vonseiten der erneuerbaren Energien unter Druck geraten. Deren Nutzung befindet sich weltweit im Aufschwung. Weiterlesen im Editorial.

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Call for Papers PROKLA 187: Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus

admin am 2. August 2016

Call for Papers PROKLA 187
Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus
(Heft 2, Juni 2017)

Schlagwörter wie „Industrie 4.0“ oder „Digitalisierung“ sind derzeit in aller Munde. Doch die Verkündigung einer vierten industriellen Revolution wirkt angesichts der wirtschaftlichen Stagnation in Europa wie ein zweckoptimistisches Heilsversprechen. Vielmehr ist dieser Begriff ein rhetorischer Coup von Unternehmensverbänden und Bundesregierung: Der Standort Deutschland soll, so die Protagonisten, neu erfunden werden. Das Ziel ist eine produktivere, ökologisch nachhaltigere und sozial gerechtere Zukunft. Gleichzeitig ist „Industrie 4.0“ ein geopolitisches Standortprojekt: Es geht darum, im Digitalisierungswettlauf die Nase vorn zu haben, die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie zu steigern und Produktionskapazitäten in die „Hochlohnländer“ zurückzuholen.

Der aufgeladene Kunstbegriff „Industrie 4.0“ ist deshalb ungeeignet, einen realistischen Blick auf die aktuellen Veränderungen zu gewinnen. Es ist eher von einer schrittweisen Durchsetzung digitaler Technologien auszugehen als von einer Revolution – schließlich sind einige der propagierten „Innovationen“ schon seit Jahren im Einsatz. Der Begriff „Industrie 4.0“ lässt zudem die Umbrüche im Dienstleistungssektor, etwa die Entstehung neuer transnationaler E-Commerce-Unternehmen, außen vor und verengt den Blick auf einzelbetriebliche Veränderungen. Doch sind gerade von der gesamtgesellschaftlichen Technologienutzung Veränderungen zu erwarten, etwa bei der Restrukturierung von Unternehmensorganisation und -netzwerken oder der Neuzusammensetzung von Arbeitsprozessen. Solche Umbrüche sind nur mit einem umfassenden Blick auf Wertschöpfungsnetzwerke und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu erfassen. Dazu bedarf es einer Klärung, ob der digitale Wandel geo- und klassenpolitisch relevante Prozesse anstößt und welche Erscheinungsformen diese annehmen.

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Call for Papers PROKLA 186: Die Materialität und politische Ökonomie des Internets

admin am 13. Juli 2016

Call for Papers PROKLA 186
Die Materialität und politische Ökonomie des Internets
(Heft 1, März 2017)

Das Internet hatte lange Zeit den Ruf, ein dezentraler, hierarchiefreier und demokratischer Raum zu sein. Spätestens mit den Enthüllungen durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden wurde jedoch deutlich, dass die materielle und technologische Infrastruktur des Internets alles andere als das ist. Es gibt riesige und nur wenige Internet-Knotenpunkte, die die gesamten transatlantischen Datenströme konzentrieren. Zudem ist die Ökonomie des Internets sehr stark von Oligopolen geprägt, ein neues – und das leistungsstärkste – Transatlantikkabel werden in naher Zukunft Facebook und Microsoft realisieren.

Während in letzter Zeit viel über Datensicherheit und -schutz sowie über Kontrolle von geheimdienstlichen Aktivitäten diskutiert wurde, bleibt die „politische Ökonomie“ und die „Materialität“ des Internets meist außerhalb kritischer Analyse. Es wird zwar viel darüber geredet, wie das Internet die Arbeitswelt verändern könnte („Industrie 4.0“), aber weniger darüber, wie das, was das Internet materiell und „immateriell“ ausmacht, selbst eine Anlagesphäre von Kapital (von Google und Facebook über Technologieanbieter von Cisco bis Intel) sowie ein politisch und ökonomisch umkämpftes Terrain ist. Das Internet hat seinen historischen Ursprung im Militärischen und in der Hochschule. Es kann also bezweifelt werden, dass allein eine „gute Idee“ pervertiert wurde, vielmehr waren Machtverhältnisse und strategische Interessen seit Beginn in die „neue“ Technik eingeschrieben. Das Internet ist zudem hoch politisch: Die Vergabe von IP-Adressen und die Koordination des Domain Name Systems (DNS) und der dafür nötigen Root-Nameserver-Infrastruktur ist abhängig vom US-Wirtschaftsministerium. Hinter den www-Adress-Zeilen, die tagtäglich in Browserfenster eingegeben werden, verbirgt sich also ein kaum bekanntes, aber hart umkämpftes politisch-ökonomisches Feld.

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Editorial PROKLA 183

admin am 26. Mai 2016

Download summaries (engl.) & AutorInnen

Titel 2016-02Editorial: Ökonomie der Flucht und der Migration (Juni 2016)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Ökonomie der Flucht und der Migration (Juni 2016)
Fabian Georgi: Widersprüche im langen Sommer der Migration. Ansätze einer materialistischen Grenzregimeanalyse
Silke van Dyk und Elène Misbach: Zur politischen Ökonomie des Helfens. Flüchtlingspolitik und Engagement im flexiblen Kapitalismus
Sebastian Muy: Hilfe zwischen Abschreckung und Profit Interessenkonflikte Sozialer Arbeit in Flüchtlingssammelunterkünften gewerblicher Träger in Berlin
Karin Scherschel: Citizenship by work? Arbeitsmarkpolitik im Flüchtlingsschutz zwischen Öffnung und Selektion
Dorothea Schmidt: Die deutsche Rüstungsexportpolitik. Wer Waffen liefert, heizt Kriege an und treibt Menschen in die Flucht
Angela Schweizer: Die Ökonomie des Zwischenlandes. Informelle Beschäftigungsfelder undokumentierter Subsahara-Migrant_innen im Norden Marokkos
Einsprüche
Alex Demirović: Der Tigersprung. Überlegungen zur Verteidigung der „Gegenwart“
Felix Syrovatka: Nuit Debout: Frankreich gerät in Bewegung!
Aaron Tauss: Venezuela: Die „bolivarianische Revolution“ in der Krise

Bis zum Frühsommer 2015 kamen die meisten Menschen, die Krieg, Verfolgung, Staatszerfall und wirtschaftlicher Not in ihren Heimatländern entfliehen und Europa erreichen wollten, aus Somalia und dem Sudan sowie aus Syrien und Afghanistan. In der Regel versuchten sie über das Mittelmeer nach Italien oder Malta zu gelangen, viele davon bezahlten dies mit ihrem Leben. So standen im Jahr 2014 den mehr als 200.000 Flüchtlingen, die die europäische Küste erreichten, mehr als 3.000 gegenüber, die im Meer ertrunken waren. Während Papst Franziskus Lampedusa besuchte, um dort die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der Flüchtlinge anzuprangern, und während die italienische Marine mit der Operation Mare Nostrum insgesamt mehr als 100.000 Flüchtende in Seenot rettete, fiel führenden PolitikerInnen der EU nicht mehr dazu ein, als diese Maßnahmen der italienischen Regierung als Einladung zur Flucht zu kritisieren. An Hilfen dachten andere Länder als Italien nicht und eine finanzielle Beteiligung der EU daran wurde abgelehnt. Eine Änderung der Modalitäten für die Einwanderung und die Beantragung von Asyl wurde nicht einmal erwogen. Stattdessen wurde im Herbst 2014 für die EU-Grenzagentur Frontex die Operation Triton beschlossen, bei der Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber die EU-Außengrenzen sichern sollten. Diese Linie setzte sich im Mai 2015 mit dem Beschluss zur Bekämpfung des „Schlepperunwesens“ im Mittelmeer konsequent fort und offiziell wurde verkündet: „Nach dem Vorbild des Anti-Piraterie-Einsatzes vor der somalischen Küste sollen EU-Kriegsschiffe Schlepperboote zerstören, die zur Überfahrt von Flüchtlingen über das Mittelmeer genutzt werden.“ (Demling/Wittrock 2015) In Somalia war Anfang der 1990er Jahre jegliche funktionierende Staatlichkeit zusammengebrochen, was europäische (ebenso wie außer-europäische) Fischfangflotten zu massiver illegaler Fischerei nutzten, womit wiederum den Einheimischen weitgehend die Lebensgrundlage entzogen wurde, weshalb sich in der Folge viele von ihnen als Ausweg der Piraterie zuwandten. Dies bewog die EU 2008, wie Heide Gerstenberger in PROKLA 163 analysiert (Gerstenberger 2011), zur Militärmission Atalanta. Wie sein Vorgänger ist der neue Plan rechtlich höchst umstritten, auch lag die Vermutung nahe, man wolle dabei nicht Flüchtlinge vor kriminellen Schleppern, sondern die europäischen Länder vor den Flüchtlingen schützen. Es ist bisher unklar, ob und wieweit dieses Vorhaben umgesetzt wurde und was es bewirkte, dennoch folgte ihm im Februar 2016 der Beschluss der NATO, einen Marineverband in die Ägäis zu schicken, um abermals „Schleuserbanden“ zu bekämpfen. Inzwischen hat sich die Situation allerdings grundlegend gewandelt. Weiterlesen im Editorial.

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Call for Papers 185: Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?

admin am 18. Mai 2016

Call for Papers PROKLA 185
Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?
(Heft 4, Dezember 2016)

Die gegenwärtige Situation ist schwer zu fassen. Betrachtet man die Entwicklungen seit dem Ausbruch der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007, so erinnert vieles an die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre: Auf die ökonomische Krise folgte eine politische Krise in vielen Ländern. Dabei verläuft die Entwicklung der politischen Krise im Vergleich zu den 1930er Jahren jedoch einerseits viel langsamer, was darauf verweist, dass auch die Herrschenden aus früheren Krisen gelernt haben und dass der globale Kapitalismus heute in viel stärkerem Maße als vor dem Zweiten Weltkrieg über ökonomische, politische und ideologische Stabilisatoren verfügt. Andererseits sind viele politische Entwicklungen weniger eindeutig und die Ereignisse und Probleme, die die öffentliche Diskussion beherrschen, lösen sich in immer schnellerem Rhythmus ab. Die kritische Analyse kommt ins Hintertreffen, sie hinkt der Verschiebung der Herausforderungen und Prioritäten hinterher: Weltwirtschafts- und Finanzkrise, wachsende (globale) Ungleichheit, der sogenannte Arabische Frühling und die Occupy-Bewegung (und deren Niedergang), Staatenzerfall, geopolitische Konflikte und Kriege in Libyen, der Ukraine, Syrien, zwischen den Großmächten und Regionalmächten (und Verbündeten), Fluchtbewegungen in historischem Ausmaß, Entdemokratisierung, rechte und faschistische Mobilisierungen in allen westlichen Industriestaaten, Backlash und Anti-Genderismus, religiöser Fundamentalismus, nahezu unumkehrbarer Klimawandel und nachhaltige Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen etc. pp.

Wir befinden uns an einem Punkt, an dem die Bemühung, den Entwicklungen und ihren Ursachen nachzuspüren und Zusammenhänge zu erschließen, atemlos macht – und irgendwie vergeblich wirkt. Dieser „Ausnahmezustand“ bedarf selbst einer kritischen Analyse. Dabei ist mit „Ausnahmezustand“ nicht einfach eine Herrschaftspraxis jenseits rechtsstaatlicher Prinzipien gemeint, die es zunehmend auch gibt, sondern die zeitdiagnostische Feststellung: die Welt scheint aus den Fugen.

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