PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers PROKLA 194: Weltmarktgewitter. Zu Politik und Krise des globalen Kapitalismus

admin am 16. Juli 2018

Call for Papers PROKLA 194
Weltmarktgewitter. Zu Politik und Krise des globalen Kapitalismus
(Heft 1, März 2019)

Kapitalistische Krisen sind immer begleitet von einem politischen Kampf darum, wer die Anpassungslasten zu tragen hat. Nach der letzten Weltwirtschaftskrise ab 2007 wurde bald deutlich, dass sich das Kapital nicht nur auf Kosten der Subalternen und der Natur konsolidieren konnte. Die dominanten EU-Staaten wie Deutschland sicherten sich ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt auch zuungunsten der EU-Peripherie. Auch auf dem Weltmarkt begann das Hauen und Stechen zwischen den „nationalen Wettbewerbsstaaten“ (Joachim Hirsch). Im Blätterwald ist inzwischen von einem von den USA entfachten „Handelskrieg“ die Rede, der zunehmend den „freien Weltmarkt“ infrage stellt.

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Editorial PROKLA 191

admin am 15. Juni 2018

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Titel 2018-02Editorial: Zur (neuen) Wohnungsfrage (Juni 2018)

PROKLA-Redaktion: Editorial  
Kritik der Verhältnisse und Kritik der Kategorien. Zum Tod von Elmar Altvater (1938–2018) 
Vom Gelde und darüber hinaus. Ein Nachruf auf Heiner Ganßmann (1944–2018)
Zur (neuen) Wohnungsfrage (Juni 2018)
Bernd Belina: Wenn Geldkapital eine sichere Bank sucht. Theorie und die politökonomischen Grundlagen der aktuellen Wohnungsfrage in Deutschland
Knut Unger: Mieterhöhungsmaschinen. Zur Finanzialisierung und Industrialisierung der unternehmerischen Wohnungswirtschaft
Barbara Schönig: Ausnahmesegment. Form und Funktion sozialen Wohnungsbaus im transformierten Wohlfahrtsstaat
Lisa Vollmer und Justin Kadi: Wohnungspolitik in der Krise des Neoliberalismus in Berlin und Wien. Postneoliberaler Paradigmenwechsel oder punktuelle staatliche Beruhigungspolitik?
Jonathan Diesselhorst: Wenn stadtpolitische Bewegungen das Terrain des Staats betreten. Zwischen Berliner Mietenvolksentscheid und „Wohnraumversorgungsgesetz“
Jenny Künkel: Die städtische Produktion von „Armutsmigration“. Soziale Kämpfe um prekäres Wohnen in Frankfurt am Main.
Ingo Stützle: Die Grenze der Werttheorie. Politische Ökonomie der Grundrente und Marx’ Kritik
Einspruch
Inga Jensen und Sebastian Schipper: Jenseits von schwäbischen Spätzlemanufakturen und kiezigen Kneipen – polit-ökonomische Perspektiven auf Gentrifizierung
Henrik Lebuhn: Stadtbürgerschaft „Light“: Migration und Vielfalt in der neoliberalen Stadt
Philipp Mattern: Droht ein neuer Substandard? Oder: Was passiert, wenn der Wohnungsmangel nicht behoben wird?

Im November 2013 verkündete die damalige Große Koalition mit viel rhetorischem Tamtam die Einführung der Mietpreisbremse, und der Verband der Haus- und Grundbesitzer befürchtete das Schlimmste: Die Mieten für Neuvermietungen auf maximal 10 Prozent über den ortsüblichen Vergleichsmieten zu begrenzen, sei ein Angriff auf Grundrechte des Eigentums und der Vertragsfreiheit, Neuinvestitionen in den Wohnungsbau würden radikal abgewürgt und bezahlbare Mieten in Ballungsgebieten auf diesem Weg mit Sicherheit nicht erreicht. Zumindest beim letzten Punkt sollte der Verband Recht behalten – wenngleich aus anderen Gründen. Denn während die Investitionen in Wohnbauprojekte keineswegs zurückgingen und der Bau von (hochpreisigen) Eigentumswohnungen neue Höhenflüge erlebte, stiegen die Immobilienpreise und Mieten weiter – unter anderem deshalb, weil Neubauten ohne Regulierung nicht zu leistbaren Mieten führen und die zahnlose Mietpreisbremse nicht nur schwer zugänglich ist, sondern auch zahllose Schlupflöcher aufweist. Dieser erfolglose Versuch einer punktuellen und halbherzigen Reform zeigt beispielhaft zum einen, dass die von Friedrich Engels vor fast 150 Jahren diskutierte „Wohnungsfrage“ wieder ein Thema der Politik geworden ist; zum anderen, dass eine kapitalistisch organisierte Wohnungsversorgung von grundlegenden Interessenskonflikten durchzogen ist, die durch eine partielle Preisregulierung nicht einfach aufzuheben sind. → Das Editorial weiterlesen.

Als Gastredaktion haben Inga Jensen und Sebastian Schipper am Schwerpunkt dieses Heftes mitgewirkt. Die PROKLA-Redaktion dankt ihnen ganz herzlich für ihre Ideen und ihr Engagement.

Aus traurigem Anlass eröffnen zwei Nachrufen das aktuelle Heft: Heiner Ganßmann und Elmar Altvater sind verstorben. Beide waren mit der PROKLA eng verbunden, viele Jahre in der Redaktion aktiv oder, wie Elmar, sogar Gründungsmitglied. In einer der nächsten Ausgaben der PROKLA wird die Redaktion das Werk von Elmar Altvater ausführlicher würdigen, als dies in der kurzen Zeitspanne zwischen seinem Tod und dem Erscheinen dieses Heftes möglich war.

 

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Alex Demirović: Autoritärer Populismus als neoliberale Krisenbewältigungsstrategie.

admin am 8. Mai 2018

Der Aufstieg rechter Parteien in vielen Ländern ist derzeit das bestimmende Thema. Im herrschenden Diskurs werden sie als „rechtspopulistisch“ charakterisiert. Der Debatte liegt das Schema der Extremismustheorie zugrunde, die den politischen Raum in eine positiv konnotierte Mitte und zwei negativ konnotierte Extreme einteilt. Ist es demnach überhaupt sinnig, den Populismusbegriff zu verwenden? Darüber lässt sich ebenso streiten wie es dringend geboten ist, den Strategien und der politischen Ökonomie rechter Politik auf den Grund zu gehen. Dieser Aufgabe nimmt sich die neue PROKLA an. Alex Demirović stellt das neue Heft zu autoritärem Populismus vor.

 
Der Artikel von Alex Demirović aus dem neuen Heft kann kostenfrei als PDF heruntergeladen werden.

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Editorial PROKLA 190

admin am 22. März 2018

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Titel 2018-01Editorial: Autoritärer Populismus. Strategie und politische Ökonomie rechter Politik (März 2018)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Autoritärer Populismus. Strategie und politische Ökonomie rechter Politik (März 2018)
Tobias Boos: Ein Hut, zu viele Köpfe. Zu Geschichte und Theorie des Populismusbegriffs.
Alex Demirović: Autoritärer Populismus als neoliberale Krisenbewältigungsstrategie.
Dennis Eversberg: Innerimperiale Kämpfe. Drei Thesen zum Verhältnis zwischen autoritärem Nationalismus und imperialer Lebensweise.
Thomas Sablowski und Hans-Günter Thien: Die AfD, die Arbeiterinnenklasse und die Linke – kein Problem?.
Brigitte Bargetz: Politik und Angst. Oder: homo neuroticus und der Spuk nationaler Souveränität.
Trevor Evans: Donald Trumps Ziel, den „Sumpf trocken zu legen“. Zum US-Wirtschaftsaufschwung seit 2009
Klaus Müller: Polens illiberale Revolution
Axel Gehring: Auf den Schultern des EU-Projektes gegen den „Status Quo“. Autoritärer Populismus in der Türkei und seine Krise.
Einspruch
Heiko Haumann: 1917: Erfahrung und Erinnerung. Was bleibt von der Russischen Revolution?

Das vorliegende Heft verfolgt die Fragestellung von Heft 185 zum Thema „Ausnahmezustand“ weiter. In den vergangenen Jahren gab es eine Vielzahl von beschleunigten Entwicklungen und politischen Krisen, die zu autoritären Regierungspraktiken geführt und zu einer Veränderung der politischen Kräfte beigetragen haben. Es spricht vieles dafür, dass in diesem Kontext die Erfolge von als rechtspopulistisch bezeichneten Parteien mehr ist, als nur eine Erweiterung des Parteienspektrums und des parlamentarischen Raums, sondern ein neues politisches Regime bedeutet.

Der Aufstieg von Parteien und Politikern, die im herrschenden Diskurs als „rechtspopulistisch“ charakterisiert werden, ist ein bestimmendes Thema der letzten Jahre gewesen. Dabei verweist der Begriff des Rechtspopulismus auf den des Linkspopulismus. Beide Begriffe werden im herrschenden Diskurs pejorativ gebraucht. Rechts- und Linkspopulismus gelten als zwei Varianten derselben Sache. Dem liegt ein Schema zugrunde, das den politischen Raum in eine positiv konnotierte Mitte und zwei negativ konnotierte Extreme einteilt: Rechts- und Linkspopulismus gelten gewissermaßen als abgemilderte Formen von Rechts- und Linksextremismus. Anders gesagt: Rechts- und Linkspopulismus bewegen sich nach dem herrschenden Verständnis genau an der Grenze zwischen der Mitte (dem, was als normal gilt) und den Extremen. Sie werden nach dem Muster der Totalitarismustheorie behandelt. Dabei steht das Urteil über den Populismus schon fest, bevor seine Funktionsweise überhaupt analysiert wurde (vgl. D’Eramo 2013; Link 2017). Aus kritischer, emanzipatorischer Sicht ist die Gleichsetzung von rechten und linken Kräften zurückzuweisen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob Parteien, in denen rassistische, sexistische oder faschistische Positionen vertreten werden, nicht verharmlost werden, indem sie als rechtspopulistisch gekennzeichnet werden. Es wird auch davon abgelenkt, dass z.B. in der CDU oder in der BILD-Zeitung ebenfalls auf ideologische Elemente zurückgegriffen wurde und wird, die heute dem Rechtspopulismus zugeordnet werden; das „bürgerliche Lager“ bzw. die „Mitte“ werden dadurch exkulpiert. Allerdings sollte der Begriff des Populismus auch nicht vorschnell aufgegeben werden → Das Editorial weiterlesen.

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Kritische Sozialwissenschaft nicht dem Markt überlassen

admin am 19. Dezember 2017

25438872_10155881864879471_1003994572612444338_oEin weiteres Jahr führt vor Augen, wie wichtig für kritische Gesellschaftstheorie, Kritik der politischen Ökonomie und fundierte politische Diskussionen eine Zeitschrift wie die PROKLA ist. Das zeigt ein Blick auf die letzten Ausgabenschwerpunkte: Gesellschaftskritik und 150 Jahre Kritik der politischen Ökonomie (188), Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus (187), Politische Ökonomie des Internets (186), Ausnahmezustand (Heft 185), Energiekämpfe (Heft 184), Ökonomie der Flucht und Migration (Heft 183), Religion und Politik (Heft 182), geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ (Heft 181). Außerhalb der Schwerpunkte haben wir die Entwicklungen etwa in Frankreich und der EU kritisch begleitet und kommentiert, sind klassentheoretischen Fragen nachgegangen und haben uns der Gefahr von rechts gestellt.

Kritische Sozialwissenschaft kann jedoch nicht dem Markt überlassen werden. Ohne solidarische Strukturen und finanzielle Unterstützung sind Zeitschriften wie die PROKLA kaum möglich. Seit 1971 erscheint die PROKLA und bietet politisch engagierte, kritisch-materialistische Analysen, die gegenwärtig wichtiger sind denn je.

Der wissenschaftliche Zeitschriftenmarkt hat sich inzwischen weitgehend selbst der Logik der neoliberalen Hochschule unterworfen. Für viele kritische Autoren und Autorinnen sind deshalb Zeitschriften wie die PROKLA wichtiger denn je, wenn sie Analysen jenseits des Mainstreams veröffentlichen und zur Diskussion stellen wollen. Texte online zu publizieren, hat sich bisher nicht als adäquate Alternative erwiesen, auch wenn das Internet sicher an Bedeutung gewonnen hat und zukünftig wichtiger werden wird. Auch die PROKLA stellt frühere Ausgaben in einem Archiv als Volltext zur Verfügung.

Allein von den Verkaufserlösen kann sich die PROKLA jedoch nicht finanzieren, und in die Abhängigkeit von Parteien oder großen Verlagen wollte sie sich nie begeben. Deshalb wird die PROKLA von einem Förderverein herausgegeben, der „Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie e.V.“. Wir würden uns deshalb über Unterstützung und Spenden freuen. Vor allem regelmäßige finanzielle Beiträge – und seien sie noch so klein – schaffen die Voraussetzungen für Kontinuität und Planbarkeit, wie sie für die Redaktionsarbeit unabdingbar sind. Für Mitgliedsbeiträge und Spenden stellen wir steuerabzugsfähige Spendenbescheinigungen aus, die „Vereinigung“ ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Weitere Informationen teilen wir gerne per E-Mail mit.

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Editorial PROKLA 189

admin am 14. Dezember 2017

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Titel 2017-04Editorial: Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen (Dezember 2017)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen (Dezember 2017)
Oliver Pye: Für einen labour turn in der Umweltbewegung. Umkämpfe Naturverhältnisse und Strategien sozial-ökologischer Transformation.
Kristina Dietz: Kämpfe um Bergbau und die Möglichkeiten demokratischer Transformation. Der Fall La Colosa in Kolumbien.
Jan Brunner: Gewerkschaftliche Machtressourcen in landwirtschaftlichen Transformationsprozessen. Eine Analyse des Zuckerrohrsektors im Bundesstaat São Paulo.
Anna Landherr und Jakob Graf: Neoliberale Kontinuität im politischen Wechselwind. Die Macht der besitzenden Klasse Chiles über die extraktivistische Ausrichtung des Landes.
Tanja Scheiterbauer: Revolutionen und Revolten in Nordafrika revisited. Die Bedeutung der Kämpfe gegen die Inwertsetzung von Land und Wasser für die jüngsten Umbrüche in Ägypten und Tunesien.
Patrick Schukalla: Becoming the Nuclear-Front-End. Zur Verschiebung der „nuklear-extraktiven Grenze“ nach Tansania
Einspruch
Merle Groneweg, Hannah Pilgrim und Michael Koch: Diesseits der Dematerialisierung. Der Ressourcenbedarf der Industrie 4.0.
Außerhalb des Schwerpunkts
Max Koch: Die Naturalisierung des Wachstums in Produktion und Konsumtion. Von Marx über den Regulationsansatz zu Bourdieu
Etienne Schneider und Felix Syrovatka: Die Zukunft  der europäischen Wirtschaftsintegration. Blockierte Vertiefung und wachsende Asymmetrie zwischen Frankreich und Deutschland.

Seit Anfang der 2000er Jahre lässt sich weltweit eine Zunahme der Einhegung von Natur beobachten. Die Inwertsetzung von Land und Rohstoffen ist keine neue Erscheinung, und sie ist seit jeher umkämpft (siehe auch PROKLA 135 zu Ressourcenkonflikten, PROKLA 156 zu Ökologie in der Krise sowie PROKLA 176 zur politischen Ökonomie des Mülls). Karl Marx folgend ist die Inwertsetzung von Land, Rohstoffen und Naturelementen der kapitalistischen Produktionsweise inhärent, die unter stofflichen Gesichtspunkten von der permanenten Transformation von Natur in neue „Ressourcen“ abhängig ist. Allerdings haben sich vor dem Hintergrund der Vielfachkrise des Kapitalismus und der Ausweitung einer „imperialen Lebensweise“ (Brand/Wissen 2017) das Ausmaß und die Formen der Naturaneignung und Inwertsetzung in den letzten zwei Dekaden verändert. [Weiterlesen im Editorial]

Merle Groneweg, Hannah Pilgrim und Michael Reckordt knüpfen in ihrem Einspruch an die vorletzte PROKLA zu Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus an (PROKLA 187, die kurzzeitig vergriffen war) und kritisieren, dass die Debatte den Ressourcenbedarf der Industrie 4.0 nicht in den Blick nimmt.

Außerhalb des Schwerpunkts diskutiert Max Koch die Naturalisierung des Wachstums in Produktion und Konsumtion anhand von Marx über den Regulationsansatz zu Bourdieu. Etienne Schneider und Felix Syrovatka greifen die derzeit heftig geführte Debatte um die Zukunft der europäischen Wirtschaftsintegration auf und analysieren die Gründe der blockierten Vertiefung und der wachsenden Asymmetrie zwischen Frankreich und Deutschland – trotz aller Vorschläge aus Brüssel und Paris.

Als Gastredakteurinnen haben Louisa Prause, Anne Hennings, Bettina Engels und Kristina Dietz am Schwerpunkt dieses Heftes mitgewirkt. Die PROKLA-Redaktion dankt ihnen ganz herzlich für ihre Ideen und ihr Engagement.

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Call for Papers PROKLA 191: Zur (neuen) Wohnungsfrage

admin am 3. Oktober 2017

Call for Papers PROKLA 191
Zur (neuen) Wohnungsfrage
(Heft 2, Juni 2018)

Nachdem die Große Koalition im November 2013 mit viel rhetorischem Tamtam die Mietpreisbremse verkündete, befürchtete der Verband der Haus- und Grundbesitzer das Schlimmste: Die Neuvermietungsmieten auf maximal 10 Prozent über den ortsüblichen Vergleichsmieten zu begrenzen, sei ein Angriff auf Grundrechte des Eigentums und der Vertragsfreiheit, Neuinvestitionen in den Wohnungsbau würden radikal abgewürgt und bezahlbare Mieten in Ballungsgebieten so auch nicht erreicht. Zumindest beim letzten Punkt sollte der Verband recht behalten, wenn auch aus anderen Gründen, als er sie annahm. Denn während die Investitionen in Wohnbauprojekte keineswegs zurückgingen und der Bau von (hochpreisigen) Eigentumswohnungen neue Höhenflüge erlebte, stiegen die Immobilienpreise und Mieten weiter – unter anderem deshalb, weil Neubauten ohne Regulierung nicht zu leistbaren Mieten führen und die zahnlose Mietpreisbremse nicht nur schwer zugänglich ist, sondern auch zahllose Schlupflöcher aufweist. Dieser erfolglose Versuch einer punktuellen und halbherzigen Reform zeigt beispielhaft zum einen, dass die bereits von Friedrich Engels gegen Ende des 19. Jahrhunderts diskutierte „Wohnungsfrage“ wieder ein Thema der Politik geworden ist; zum anderen, dass diese grundlegende Probleme berührt, die nicht durch eine partielle Preisregulierung zu lösen sind.

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Editorial PROKLA 188

admin am 18. September 2017

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Titel 2017-03Editorial: Gesellschaftskritik und 150 Jahre Kritik der politischen Ökonomie (September 2017)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Gesellschaftskritik und 150 Jahre Kritik der politischen Ökonomie (September 2017)
Silke van Dyk: Krise der Faktizität? Über Wahrheit und Lüge in der Politik und die Aufgabe der Kritik.
Tilman Reitz: Kritik als Ideologie. Selbstreflexion und Herrschaftsanteile der akademischen Linken.
Alex Demirović: Gesellschaftskritik und Gerechtigkeit.
Emma Dowling, Silke van Dyk und Stefanie Graefe: Rückkehr des Hauptwiderspruchs? Anmerkungen zur aktuellen Debatte um den Erfolg der Neuen Rechten und das Versagen der „Identitätspolitik“.
Michael Heinrich: 150 Jahre „Kapital“ – und kein Ende. Unsystematische Anmerkungen zu einer unendlichen Geschichte.
Lukas Egger: Der „schreckliche erste Abschnitt“. Zu Louis Althussers Kritik an der marxschen Werttheorie
Hans-Peter Büttner: Kritik der Politischen Ökonomie im 21. Jahrhundert. Zur neueren Debatte um das marxsche „Transformationsproblem“.
Außerhalb des Schwerpunkts
Andrea Kretschmann und Aldo Legnaro: Ausnahmezustände. Zur Soziologie einer Gesellschaftsverfassung.
Einspruch
Daniel Mullis: Das Ende der Postdemokratie, den Pessimismus überwinden.
Felix Syrovatka: Ein Ende mit Schrecken – Frankreich nach den Wahlen.

Seit einigen Jahren hat Gesellschaftskritik in der Soziologie (wieder) Hochkonjunktur – und mit ihr die disziplinäre Selbstverständigung darüber, welche Möglichkeiten und Aufgaben einer (wie auch immer zu definierenden) „kritischen“ Soziologie zukommen sollte. Der Heftschwerpunkt „Perspektiven der Gesellschaftskritik“ widmet sich der Frage, ob die neueren Debatten über sozialwissenschaftliche Kritik in der gegenwärtigen Situation veränderte Bedeutung erhalten. Ausgangspunkt hierfür ist zunächst eine doppelte Wahrnehmung: Zum einen, dass es in Teilen des akademischen Diskurses – nachdem Gesellschaftskritik der etablierten Soziologie jahrelang als anrüchige Tätigkeit galt – zu einer erfreulichen Wiederkehr der Gesellschaftskritik gekommen ist; zum anderen jedoch die entsprechenden Debatten häufig merkwürdig formal und abstrakt bleiben. Zahlreiche Monografien und Sammelbände haben die Facetten sozialwissenschaftlicher und politisch-philosophischer „Kritik“ erkundet, dabei aber häufig die „Sachkritik“, das heißt die Kritik der konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse, zugunsten umfassender selbstreflexiver Verständigungen vernachlässigt. Oftmals wurde und wird nicht deutlich, wer oder was – und warum eigentlich – von wem kritisiert werden soll. [Weiterlesen im Editorial]

Sozialwissenschaftliche Gesellschaftskritik bezieht sich oftmals auf Karl Marx. Vor 150 Jahren, im September 1867, erschien die erste Auflage von Das Kapital. Auch wenn die Resonanz zunächst verhalten war und sein Freund Friedrich Engels mit ein paar Rezensionen unter falschem Namen nachhelfen musste, so wurde es doch zu einer der einflussreichsten Ökonomie- und gesellschaftskritischen Schriften – mit einer Ausstrahlung in nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen. Drei Beiträge in unserem zweiten Schwerpunkt diskutieren ausgewählte Fragen.

Außerhalb des Schwerpunkts führen wir die Debatte fort, die mit der PROKLA 185 angestoßen wurde und bereits einige Repliken provoziert hatte.

Felix Syrovatka geht in seinem Einspruch auf die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ein und klärt, wie diese einzuschätzen sind und was dieses politische Erdbeben für die politische Landschaft in Frankreich bedeutet.

Die PROKLA-Redaktion dankt Emma Dowling, Silke van Dyk, Stefanie Graefe und Tilman Reitz für die Initiative zu einem Schwerpunkt zu Gesellschaftskritik.

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Editorial PROKLA 187

admin am 7. Juni 2017

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Titel 2017-02Editorial: Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus (Juni 2017)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus (Juni 2017)
Moritz Altenried: Die Plattform als Fabrik. Crowdwork, Digitaler Taylorismus und die Vervielfältigung der Arbeit
Martin Ehrlich, Thomas Engel, Manfred Füchtenkötter und Walid Ibrahim: Digitale Prekarisierung. Neue Verwundbarkeiten und Abwertungsprozesse in der Industriearbeit
Jobst Gaus, Christopher Knop und David Wandjo: Marktkopplung und Ablaufdeterminismus. Eine Kritik am Demokratisierungsversprechen der Industrie-4.0-Diskussion
Eva-Maria Raffetseder, Simon Schaupp und Philipp Staab: Kybernetik und Kontrolle. Algorithmische Arbeitssteuerung und betriebliche Herrschaft.
Georg Barthel und Jan Rottenbach: Reelle Subsumtion und Insubordination im Zeitalter der digitalen Maschinerie. Mit-Untersuchung der Streikenden bei Amazon in Leipzig
Stefania Animento und Cristian Sica: Total Eclipse of Work? Neue Protestformen in der gig economy am Beispiel des Foodora Streiks in Turin
Florian Butollo und Yannick Kalff: Entsteht der Postkapitalismus im Kapitalismus? Eine Kritik an Masons Transformationsstrategie
Außerhalb des Schwerpunkts
Christian Christen: Der neoliberale Rentenkonsens in Deutschland und seine Genese. Von der Lebensstandardsicherung zur Altersarmut für Millionen
Ewgeniy Kasakow: Bewegung versus Avantgarde? Mythologie der linken Debatten über die Russische Revolution 1917

Die Diskussion um die Zukunft der Arbeit wird derzeit von Spekulationen über die Auswirkungen der Digitalisierung überlagert. In Deutschland konzentriert sich die Debatte, unterfüttert von üppig ausgestatteten Förderprogrammen, um den Begriff „Industrie 4.0“. Dies hat zunächst einmal den Effekt, dass die Entwicklung der Produktivkräfte und speziell der Industriearbeit plötzlich wieder en vogue sind. Das ist durchaus zu begrüßen, wurden die materiellen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns doch seit den 1990er Jahren durch übertriebene Prognosen zur New Economy in den Hintergrund gedrängt (vgl. hierzu die Diskussion in PROKLA 122). Die Fiktion einer „Entstofflichung“ der Ökonomie (Albert u.a. 1999) hat heute einem neuen Interesse an Arbeit und Produktion Platz gemacht. Damit erhält der deutsche Digitalisierungsdiskurs eine markant andere und weniger verklärende Note als jener im angloamerikanischen Raum, wo das Ende der Arbeit schon eine ausgemachte Sache zu sein scheint (vgl. Mason 2016; Srnicek/Williams 2015). Zugleich schafft der Begriff „Industrie 4.0“ neue Mythen. Zum einen, weil er sich in geradezu bornierter Weise auf die Kernbereiche der deutschen Exportindustrie beschränkt und damit wichtige Dimensionen der Digitalisierung von Arbeit aus dem Blickfeld verliert. Zum anderen, weil „Industrie 4.0“ eine politische Agenda verkörpert, ja, als ein neues Hegemonieprojekt der Unternehmensverbände und staatlichen Eliten verstanden werden kann. So erscheint der Begriff „Industrie 4.0“ wie eine Zauberformel, mit der das Ende der stagnierenden Konjunkturentwicklung beschworen wird.  Weiterlesen im Editorial.

Außerhalb des Schwerpunkts zeichnet Christian Christen nach, wie sich der neoliberale Rentenkonsens in Deutschland entwickelt hat. Die „Reformen“ des Alterssicherungssystems der letzten 20 Jahre war Teil eines internationalen Transformationsprozesses. Kernstück ist die Umstellung auf kapitalgedeckte Modelle und die individuelle Vorsorge. Die Versprechen wurden nicht eingelöst und vielen Menschen droht die Altersarmut. Dennoch herrscht ein stabiler Rentenkonsens, obwohl eine grundlegende Revision überfällig ist – nicht zuletzt, um einen möglichen Zusammenbruch des Rentensystems in den nächsten Jahrzehnten abzuwenden.

Ewgeniy Kasakow führt unsere Reihe zur Russischen Revolution fort. In den linken Debatten gehöre die weitverbreitete Vorstellung, 1917 wären in Russland ArbeiterInnen und BäuerInnen im Begriff gewesen, ihre eigene Vorstellung von Sozialismus zu realisieren und lediglich die bolschewistische Bürokratie hätte sie daran gehindert. Die Räte gelten vielen Linken als eine Alternative zu den autoritären Bolschewiki. Nur selten werden jedoch solche Annahmen anhand Archivalien und neuen Studien überprüft. Eine kleine Korrektur: Bei der im Text zitierten Quelle Kondrašin (2009) handelt es sich um die Seite 123, nicht 95. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Als Gastredakteure haben Florian Butollo und Thomas Engel am Schwerpunkt dieses Heftes mitgewirkt. Die PROKLA-Redaktion dankt ihnen ganz herzlich für ihre Ideen und ihr Engagement.

Anfang Mai 2017 fand die Mitgliederversammlung der Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie e.V. statt, der die PROKLA herausgibt und die Redaktion und den Redaktionsbeirat wählt. Die Redaktion wird durch Stefanie Graefe und Felix Syrovatka gestärkt – wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.

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Editorial PROKLA 186

admin am 20. März 2017

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Titel 2017-01Editorial: Politische Ökonomie des Internets (März 2017)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Politische Ökonomie des Internets (März 2017)
Susanne Lang: Eine kurze Geschichte des Internets. Die Inkorporation des Internets in kapitalistische Verhältnisse ist keinesfalls abgeschlossen und noch immer umkämpft
Kathrin Ganz: Vom freien Internet zur postdigitalen Gesellschaft Politische Ökonomie im Diskurs der Netzbewegung
Sebastian Sevignani: Facetten der Debatte über das digitale Arbeiten Herausforderungen für eine kritische Theorie des informationellen Kapitalismus
Christian Meyer: Digitale Disziplin. Zur Transformation der inneren Sicherheit
Christian Frings: Das Problem der Linken mit der Technik. Ein Zwischenruf aus dem Maschinenraum
Einsprüche
Bernd Belina: Zur Geographie der Abstiegsgesellschaft. Der Aufstieg der Rechten – Anmerkungen zu Oliver Nachtwey und Didier Eribon
Michael Wendl: Der Mythos des globalen Kapitalismus und die Aktualität des Nationalen
Stephan Lessenich: Probleme der Klassenanalyse
Martin Kronauer: Ausnahmezustand? Weitermachen, wie bisher, geht nicht mehr. Einspruch zum Beitrag der PROKLA-Redaktion Der globale Kapitalismus im Ausnahmezustand
Benjamin Opratko: Rechtspopulismus als Krisenbearbeitung Anmerkungen zum Aufstieg von AfD und FPÖ
Außerhalb des Schwerpunkts
Renate Hürtgen: Was für eine Revolution!? Was für ein Jahrhundert!? Ein Blick auf die Geschichte linker Aufarbeitung
Ingrid Artus: Das „ungewöhnlich intensive“ Streikjahr 2015. Ursachen, Ergebnisse, Perspektiven

Das Internet hatte lange Zeit den Ruf, ein dezentraler, hierarchiefreier und demokratischer Raum zu sein. Spätestens mit den Enthüllungen durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden wurde jedoch deutlich, dass die materielle und technologische Infrastruktur des Internets alles andere als dezentral und demokratisch ist. Es gibt nur ein paar Hundert Internet-Knotenpunkte, die die gesamten transatlantischen Datenströme abwickeln. Wer Kontrolle über die Internet-Knoten erlangt, kann auch auf den darüber abgewickelten Internet-Datenverkehr zugreifen.
Da dieser Datenverkehr größtenteils unverschlüsselt abgewickelt wird, kann an diesen Knotenpunkten ein Großteil der weltweiten Daten abgehört werden. Da mit der zunehmenden Verbreitung und Bedeutung des Internets auch digitale Konzentrationsprozesse zugenommen haben, in deren Folge Telefonverbindungen und Rundfunk im Internet zusammengefasst werden (Digital Convergence), betrifft die Überwachung des Datenverkehrs nicht nur Internetverbindungen, sondern einen Großteil menschlicher technisch vermittelter Kommunikation. Zudem ist die Ökonomie des Internets sehr stark von Oligopolen geprägt, ein neues – und das leistungsstärkste – Transatlantikkabel werden in naher Zukunft Facebook und Microsoft realisieren. Dadurch werden zentrale Infrastrukturdienstleistungen, die ehemals von staatlichen Unternehmen (Telcos) realisiert wurde jetzt von vollständig privaten, börsennotierten Unternehmen übernommen. Es wird zwar viel darüber geredet, wie das Internet die Arbeitswelt verändern könnte („Industrie 4.0“), aber weniger darüber, wie neue Organisierungsformen (der Arbeitswelt) das Internet verändern könnten. Die politische Ökonomie des Internets ist bislang wenig untersucht, obgleich die Technologie inzwischen über 50 Jahre alt ist und seit fast 20 Jahren weltweit Bedeutung erlangt hat. Darüber hinaus ist das Internet inzwischen erstens eine wichtige Anlagesphäre von Kapital (von Google und Facebook über Technologieanbieter von Cisco bis Intel), zweitens hat es die Finanzpolitik und den Börsenhandel komplett umstrukturiert (Handelsgeschwindigkeit, automatisierter Handel) und drittens ist es nicht zuletzt ein politisch und ökonomisch umkämpftes Terrain. Weiterlesen im Editorial.

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